Liebe Kameradinnen,
liebe Kameraden,

Aufbau oder Korruption
Friedensmission und Trauer
Töten oder Sterben


Das ist das unauflösbare Dilemma aller militärischen Konflikte, egal wie man sie nennt. Es beschreibt die Handlungsalternativen, zwischen denen Soldaten in Extremsituationen entscheiden müssen. Die Bundeswehr und unsere Republik haben in diesen Ostertagen erlebt, dass es leider nicht immer eine Alternative gibt. Dass an einem Tag in Kundus drei deutsche Soldaten fallen und sechs afghanische Verbündete aus Versehen getötet werden, zeugen von der besonderen Tragik, auf die Gefechte im Feld, auch bei Selbstverteidigung, allzu häufig hinauslaufen.
Diese Wahrheit ist nicht neu.
Die Trauer und die Opfer und der Respekt vor der Risikobereitschaft unserer Soldaten gehören zu diesem Einsatz. Egal wie man den bewaffneten Konflikt nennt, er gehört dort zu dem Stabilisierungseinsatz. Krieg oder nicht. Dies musste unsere Friedensverwöhnte Gesellschaft in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren erfahren. Hilfe für Afghanistan bedeutet mehr als ziviler Hilfseinsatz. Diese Erfahrung prägte von Anfang an auch den Einsatz der Alliierten am Hindukusch. Auch wenn es zunächst Unterschiede zwischen Kundus, Kandahar und Kabul gab. Die Absicht war es, dem uns befreundeten und Kriegsgeplagten Afghanistan zu helfen, um dem Land zu einer friedlichen Stabilität zu verhelfen. Unsere Armee lernt nun die Gefahren von Militäroperationen mit feigen Terroristen. Egal ob wir sie im Rahmen eines Bündnisses oder im Auftrag der UNO vollziehen. Am Schluss gilt doch: “Mit gefangen, mit gehangen“. Egal welcher Kanzler oder Außenminister sie dort einmal hinschickte, oder welche Mehrheit im Bundestag jeweils zustimmte, oder zu welchem Anlass die Uno einmal dazu eine Resolution bzw. ein Mandat dazu erteilte. Der Soldat muss gehorchen und sein Leben einsetzen, egal ob er es tapfer riskierte oder ob er nur pflichtgemäß am Einsatz teilgenommen hat. Hier geht es weder um Neigung oder etwa Abenteuerlust. Am Schluss war es nur Pflichterfüllung. Dafür gehört ihnen unser aller Dank und Anerkennung in Würde. Die Leidtragenden Angehörigen verdienen unser Mitgefühl und ehrliche Anteilnahme. Auch in jedem einzelnen Fall dürfen wir den Schmerz und das fortdauernde Leid, besonders der Kinder, der Ehefrauen (Ehemänner) und der Eltern, Geschwister und Kameraden nicht vergessen. Der Verlust bleibt für sie immer.
Die Soldatenfamilien und die Bundeswehr brauchen einen Schulterschluß nicht nur in solch schweren Situationen, sondern auch ständig und im Alltag des Soldatenlebens.
Deutschland muss hier seine Rolle wie andere Nationen finden, oder wie Millionen wieder finden (Kriegshinterbliebene). Das heißt: das Toten Gedenken, wie es in unserem Verband und anderen gepflegt wird bleibt richtig und muss auch von unserer Gesellschaft wieder mehr beachtet werden. Das Soldatengedenken und der Volkstrauertag sind nicht out (aus), wie die Mehrzahl unserer Gesellschaft es bereits abgetan hat. Ostermärsche helfen hier genau so wenig für den Frieden, wie sie der Verteidigung und den Soldaten direkt schaden können. Wir haben dort wie überall in den Konfliktregionen mit einem entschlossenen und bösartigen Feind und Terrorismus zu tun, die unseren Friedenswillen und die Mission unserer Soldaten missachten und feindselig abtun. Sie wollen in jedem Fall, den Aufbau oder die Stabilisierung verhindern. Mit allen Mitteln und Kräften versuchen sie das Militärische Kräftemessen in der Regel zu erzwingen. Natürlich durch feigen Hinterhalt, verblendete Attentäter, religiöse Fanatiker und ausgebildete Partisanen. Sie genießen unsere Verachtung.
Wo bleibt die gesellschaftliche Anklage unserer selbsternannten Friedensorganisationen, der Religionsgemeinschaften und ihrer Oberhirten und der Kommentatoren?
Wo bleiben die verantwortlichen die zur Lösung beitragen können oder wollen?
All zu oft melden sich die Bedenkenträger breit und ausführlich. Solange die Taliban da sind, bleiben sie eine Gefahr für alle. Welche Strategie hilft hier letztlich?
Deutschland hat in Afghanistan ein Ansehen zu verlieren. Es gibt keine Alternative, als die Afghanistan-Mission geordnet und mit Anstand zu Ende zu bringen. Alles andere würde die kollektive Sicherheit untergraben. Hals über Kopf abzuziehen, wäre unverantwortlich. Doch der Versuch eines deutschen Sonderwegs mit der Idee, sich aus den heißen Kampfzonen heraushalten zu können, ist gescheitert. Afghanistan lehrt, wie unmöglich das ist.

Ihr
Dieter Fischer
Präsident


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